30.01.2011

Ich habe einfach nicht mehr das Recht.....

.....meinen Freunden, Lebensgefährten und meiner Familie zuzumuten mit mir, vor allem aber mit der permanenten Belastung durch meine psychischen Zustände zu leben. Was bedeuten kombinierte Persönlichkeitsstörung, bipolare affektive Störung, Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität, Reaktion auf schwere Belastungen, posttraumatisches Angstsyndrom, generalisierte Angststörung, Essstörungen, hysterische Amnesie......

Für mich, rund zehn Monate nach der letzten Therapie, jetzt wieder die langsame Rückkehr der Kälte, langsame Rückkehr der Enge, langsame Rückkehr der Leere, langsame Rückkehr der Angst, langsame Rückkehr der Manie, langsame Rückkehr der Traurigkeit, langsame Rückkehr der Einsamkeit, langsame Rückkehr des Rückzugs vom Aussen. Langsam – ohne dass ich mich aus eigener Kraft wehren kann – schwindet alles dahin was Leben für mich bedeutet. Lebenslust, soziale Kontakte, Freunde, Freude, Liebe und zu guter Letzt mein Lebensmensch. Wieder habe ich zugelassen, dass mir meine Psyche die Freiheit des Seins und Tuns genommen hat.

Aber wie ist es für jene, die mich lieben zusehen zu müssen, wie ich immer mehr den Bach hinunter gehe, an einem Zustand der leider nicht einmal für mich selbst erklärlich ist. Meine Angst vor die Tür zu gehen zu erleben, zusehen zu müssen wie ich einfachste Dinge des Lebens nicht mehr bewältigen kann. Wie es mir unmöglich ist, soziale Kontakte zu pflegen und vieles mehr. Wie ist die, sich zwar langsam über fast dreissig Jahre eingeschlichene, aber plötzlich auftretende radikale Persönlichkeitsstörung zu verkraften, ertragen, verarbeiten und das ohne selbst in psychische Probleme zu gleiten?

Der Moment ist gekommen wo der Alltag mit mir für mein Umfeld unerträglich geworden ist. Kann ja auch nicht anders sein, wo ich mich doch selbst kaum mehr ertragen kann und das mit bis zu sechzehn Stunden Schlaf pro Tag „kompensiere“.

Das bedeutet vor Allem leider auch, dass ich gerade den Menschen der mir am Nächsten steht beginne kaputt zu machen! Für mich gibt es in dieser Situation nur eine gangbare faire Lösung: Ich muss meiner Partnerin den maximalen Freiraum schaffen, sich von der Situation zu erholen, wieder zu sich selbst zu finden und die eigene Lebenslust, Lebenskraft und Faszination an der Schönheit des Seins erneut erleben zu dürfen, es überhaupt zu schaffen, das wieder zu können.

Denn trotz, oder gerade auch wegen meiner psychischen Erkrankung, habe ich nicht das geringste Recht andere - und vor allem jene die mich lieben! - mit etwas anzustecken, von dem ich nur ganz langsam oder vielleicht auch gar nicht mehr loskommen werde. Ich darf, was mir aber viel wichtiger ist; ich will meinen Lieben nicht ihr lebenswertes Leben zerstören!

Für mich bedeutet das, dass ich es ab jetzt schaffen muss, aus meiner derzeitigen psychischen Gesamtsituation in ein normales lebenswertes Sein zurückzukommen. Ein Arbeitsprozess, der vielleicht sehr lange dauern kann. Aber das alles muss ab sofort auch so ablaufen, dass es für mein Umfeld schmerzfrei, belastungsfrei und erfreulich abläuft.

Das hat sich vor allem ein für mich ganz besonderer Mensch schon sehr, sehr lange verdient.........

16.01.2011

Eine gewisse Komik lässt sich nicht verleugnen.....

.....wenn ich so meine Wünsche auf facebook poste, die ja meist auch meine Wünsche reflektieren.
So wie heute: .....ich wünsch euch einen feinen Abend mit ein paar angenehmen Menschen, einem netten Gläschen Wein, schmackhaft kulinarischer Begleitung, überschwenglich philosophischen oder auch sonst spannenden Gesprächen, ein paar ausgetauschten Zärtlichkeiten....... auf jeden Fall voll von praller Lust am realen Leben...... :-)
Und was ist meine Realität? Ein gemütliches Fläschchen Welschriesling orgelt durch die Ganglien, ein weiteres wartet schon drauf geköpft zu werden, Lou Reed begleitet mich mit "Goodnight Ladies" und ich bin zwar allein, aber im Moment gerade recht relaxed auf meinem eigenen Planeten unterwegs.
Die Musik gewechselt auf Hans Söllner "loben und preisen", die zweite Flasche eröffnet, dem Leben die Sinnfrage gestellt und natürlich keine befriedigende Antwort an mich selbst gegeben.
Irgendwie ist es schon abgehoben mich auf der Tastatur selbst zu begleiten. Was will ich denn haben? Leben? Das ist gar nicht so einfach. Ich hab viel davon gehabt, viel mehr als alle, die mich umgeben. Bis mich die Psychokeule erwischt hat. Fünfundvierzig Jahre abrocken wie die Sau, begleitet von einer Prise manischdepresiver Zustände, die mich viel mehr abrocken liessen als den Rest der Welt, unterbrochen nur von den abgrundtiefen Abstürzen, die halt auch schon mal zwei Jahre gedauert haben (fuck!). Aber; was soll´s? Ohne das eine gibt es das andere auch nicht! Ist ein Gesamtpaket, das es nicht als Teilbestellung gibt. Und ein wenig kombinierte Persönlichkeitsstörung als Würze dazu; will heissen, ich bin nie allein, weil wir in mir schon eine fette Gemeinschaft bilden. Tja, rocken mit mir selbst..... Wer kann das schon von sich sagen? Jezt gerade stecken halt mal wieder zwei oder drei von den fünfen in mir in ihrer Depression. Dadurch schreiben wir gemeinsam wie die Teufel - und das können auch die Wenigsten. Nichts wie Vorteile in unseren Leben :-) Ich kann mit den meinen fliegen gehen ohne dass wir den Sitzplatz verlassen müssen; und wir haben Erlebnisse von denen andere nur träumen dürfen.
Zeitweise wäre der Kontakt zum echten, realen Leben, dem einfachen, dem angenehm unkomplizierten, halt auch was Feines. Ist halt schon sehr lange her, dass mich diese Utopie der Normalität des Daseins verlassen hat. Seitdem pfeiffe ich auf die höchsten Gipfel oder überlege ernsthaft mit der Vespa gegen die nächste Wand zu knallen, nur um endlich mal zu wissen ob es das Neue danach gibt - und es wirklich besser ist. Aber wenn ich mir dann die kindermissbrauchenden Verkünder der gepriesenen Botschaft ansehe, nehme ich sofort wieder Abstand von der Idee. Ausserdem ist der Glaube an den Grossen über mir sowieso nicht meine Sache.
Und jetzt; Pause und den nächtlichen klaren Himmel anschauen. Der gefällt mir ausgezeichnet seitdem ich zum ersten Mal über den Atlantik segeln durfte. Im realen Leben, begleitet von all meinen Ichs und meinen Geschichten im Kopf........