23.02.2011

Meine persönliche Afterwork-Lounge.....

Zur Zeit bin ich den ganzen Tag mit Menschen zusammen, die wie auch ich ihre psychische Erkrankung bearbeiten. Das ist eine Arbeit, die ich zu erledigen habe, da mich meine Psyche begonnen hat im Alltag zu bremsen, diverse Tätigkeiten schwer oder auch unmöglich geworden sind. Der Grund dafür liegt tief in meiner Vergangenheit begraben und ist jetzt intensives Thema meiner täglichen Arbeit mit mir selbst. Wie beim Grossteil aller hier, finden sich die Gründe für die psychische Belastung in der Kindheit. Ist so und wird sich im Laufe der Zeit hoffentlich wieder komplett lösen. Da geht es mir nicht anders als vielen anderen Menschen auch. Wir wissen seit geraumer Zeit, dass eine glückliche Kindeheit glückliche oder zumindest chancenreiche Erwachsene bedeutet und eine brutale Kindheit irgendwann aufgearbeitet werden muss, weil sich das eben sonst psychisch in diversesten meist höchst unangenehmen Zuständen maifestiert.
Nach so einem wirklich harten Arbeitstag an mir selbst setze ich mich dann gemütlich in meine "persönliche Afterwork-Lounge", also die örtliche Internetstation, um ein wenig im Infodschungel herumzusurfen und abzuschalten. Und was passiert? Ich sitze mit offenen Augen vor der Kiste und mir kommt das Kotzen! ORF-On Meldung: Misshandelte Kinder sind in unserer Gesellschaft noch immer Opfer zweiter Klasse. "Bis du gross bist, ist alles wieder gut" und ähnliche Meldungen beherrschen noch immer das Denken. Bei Kommissionen die angezeigte Fälle von Kindesmisshandlungen durch Institutionen untersuchen sollen, gibt es riesengrosse Verwunderung, dass erwachsene Menschen vierzig Jahre nach dem Erlebten bei einer Schilderung der Misshandlungen noch immer in Tränen ausbrechen. Noch immer damit nicht umgehen können. Noch immer in ihrem Leben davon dominiert, eingeschränkt werden. Sich noch immer nicht erklären können warum ihnen derartige Grauslichkeiten in ihrer Kindheit widerfahren sind.
Psychosomatische Zentren, Rehabilitationsanstalten, Psychiatrien und auch die Praxen von Psychologen sind voll von Menschen, denen ihre Kindheit das Leben irgendwann unmöglich macht. Die aus der Zeit, in der sie eigentlich beschützt aufwachsen sollten, derartige Verletzungen mitbekommen haben, dass sie es aus eigener Kraft nicht mehr schaffen damit eigenständig zu leben.
Das sind allerdings alles Tatsachen, die uns nicht erst seit gestern bekannt sind. Trotzdem schauen wir weiterhin weg, wenn jemand ein Kind schlägt. Wenn wir von Vergewaltigungen von Kindern hören ekeln wir uns.
Nur wenn zwischendurch wiedermal ein Kind an den Misshandlungen stirbt ist die Aufregung gross! Strengere Gesetze werden gefordert, politische Verfehlungen aufgezeigt und immer dürfen dann auch wieder neue Arbeitskreise das Thema eine zeitlang mit Ideen würzen. Bis das an den Misshandlungen verstorbene Kind in Vergessenheit geraten ist und wir wieder "Wichtigeres" zu tun haben.
Jährlich werden in Österreich rund 30.000 Kinder seelisch und körperlich misshandelt, weitere rund 10.000 werden sexuell missbraucht. Sicher gibt es zur Zeit, weil ja kürzlich erst ein Bub zu Tode geprügelt wurde, wieder irgenwo einen durch die Politik eingesetzten Arbeitskreis, der sich mit dem Thema zu beschäftigen hat. Aber keine Angst, wir werden von der ungustiösen Sache nicht all zu lang belästigt werden. Denn statistisch gesehen stirbt alle drei Jahre ein Kind an seinen Misshandungen. Und nachdem das erst vor Kurzem passiert ist, können wir durchatmen und wieder wegschauen. Bis zum nächsten Mal halt......

Heute natürlich wegen des Themas, aber wie auch sonst immer wiederhole ich zum Abschluss meine immer gleichbleibende Forderung: KEINE GEWALT GEGEN KINDER! Allerdings möchte ich heute auch mal wieder auf ein Zweites hinweisen: Wer wegschaut ist Mittäter!!! Was viele Künstlerinnen und Künstler mit mir gemeinsam immer wieder tun um lautstark auf das Thema aufmerksam zu machen gibt es hier zu sehen: http://www.scherasade.at