25.02.2011

Mir kannst Du doch vertrauen....

Bei rund der Hälfte aller Österreicherinnen und Österreicher beginnt das Leben so, dass die Schutzbefohlenen, also die Eltern, alles andere als Schutz geben. Der Beginn des Lebens ist geprägt von Schlägen, Sanktionen, eingesperrt sein, Verrat, Lüge und der permanenten Angst etwas falsch zu machen.
Und irgendwann im späteren Leben kommt dann, von wem auch immer, der Satz "du kannst mir doch vertrauen". Ich kann hier natürlich nur von mir sprechen; mir ist Vertrauen - wie auch viele andere Gefühle - ganz einfach fremd. Ich kenne es nicht, habe keine Ahnung wie sich Vertauen anfühlen soll. Ich teile Menschen in zwei Kathergorien ein, nämlich gefährlich und ungefährlich. Für mich.
Wobei ich mal prinzipiell, wenn ich jemanden kennenlerne, von ungefährlich ausgehe. Wenn dann allerdings nur die kleinste Kleinigkeit vorfällt (die für den Anderen vielleicht sogar ganz normal, aber für mich verletzend ist) schalte ich die Einschätzung in der Sekunde auf gefährlich um. Dann wende ich mich sofort, und das meist unwiderruflich, von demjenigen ab. Dadurch sind mir sicher in der Vergangenheit ein paar Menschen abhanden gekommen, die es vielleicht wert gewesen wären, dass ich mich etwas länger mit ihnen auseinander gesetzt hätte. Das ist einerseits natürlich mein Pech, andererseits auch schwierig für Menschen, die versuchen meine Freundschaft zu erlangen, sich gerne mit mir austauschen würden. Ich weiss das, konnte allerdings bisher nichts gegen die Mechanismen in meinem Kopf tun. Zumindest aber arbeite ich zur Zeit daran, also an mir.
Ausserdem gibt es da noch einen zweiten sehr wichtigen Aspekt für mich, nämlich das Selstvertauen. Nachdem Vertrauen für mich eine unbekannte Grösse ist, weiss ich auch nicht genau wie sich Selbstvertrauen anfühlen soll. Das heisst jetzt nicht, dass ich mit hängendem Kopf ängstlich durch´s Leben eile. Dazu hab ich mir selbst schon oft genug bewiesen, dass ich mich in den unterschiedlichsten Lebenssituationen auf mich selbst verlassen kann. Das basiert allerdings rein auf dem Wissen um meine Fähigkeiten. Und nachdem ich vor langer Zeit mal rund ein Jahr auf der Strasse gelebt habe, weiss ich auch, dass ich mich immer irgendwie durchschlagen kann. Das ist dann vielleicht sogar eine gewisse Art von Selbstvertrauen, das allerdings immer mit der Angst verbunden ist, dass ich irgendwas falsch machen und dafür hart bestraft werden könnte. Auch wenn mir ein paar gute Freunde, meinen Bruder und Uli immer wieder, geradezu gebetsmühlenartig, sagen, dass ich meine Dinge gut, zeitweise sogar spektakulär ausgezeichnet mache.
Im Endeffekt führt das allerdings auch dazu, dass ich eigentlich nie ganz die Bedeutung verstehe oder freudig annehmen kann, wenn mir wer sagt "ich vertraue dir voll und ganz". Oder zum Beispiel Gratulationen bei meinen Erfolgen so richtig geniessen kann. Oder mich ruhig zurücklehen und ganz einfach mal nur sein kann.
Aber zumindest entsteht in mir zur Zeit gerade das ganz angenehme Gefühl, dass ich zumindest für den Moment ausserhalb der täglichen Gefahrenzone bin. Mal sehen, vielleicht wird ja noch mehr daraus....

Zum Abschluss, wie immer, meine lautstarke Forderung: KEINE GEWALT GEGEN KINDER! Mehr dazu unter http://www.scherasade.at