25.10.2011

Und dann ist es da, das Gefühl....


Es ist ganz einfach nur schön! Das Gefühl, dass ich mich anlehnen kann. An einen Menschen. Ein wenig reden, ein wenig kuscheln und sehr viel Ruhe. Ganz einfach so. Aus Freundschaft. (Ist heute so ein Tag, an dem schon die zweite Flasche Veltliner meinen Gaumen kitzelt und deswegen meine Gedanken dem Schönen im Leben langsam aber sicher zufliegen...). Weil es eigentlich genau das ist, was dem Leben Zufriedenheit gibt. Also zumindest meinem.

Nicht viel reden müssen, nichts erklären müssen, einfach sein dürfen. Ruhig, mit dem tiefen Gefühl, dass menschliche Nähe ohne jede Bedingung sein kann. Zärtlichkeit, Feingefühl, ein wenig Leidenschaft, aber vor allem: Ruhe von allem, was sich da draussen so abspielt.

Es gibt da ein paar erwachsene Menschen, die ich als Kinder kennengelernt habe: im Kinderdorf Pöttsching. Der Platz, an dem wir das Schöne am Leben zum ersten Mal gesehen haben. Und in den Augen der anderen, was davor so war....

Wie schon oft angefragt, gefordert, lautstark hinausgerufen: Ihr seid alle willkommen uns zu unterstützen: "Scherasade. Keine Gewalt gegen Kinder!" -> http://www.scherasade.at

Bilder, Bilder, Bilder....


So von Zeit zu Zeit surren die Gedanken höchst ungeordnet durch den Kopf. Also eigentlich tun sie das immer, weil ich mich ja zu den glücklichen Hochbegabten zählen darf, die alles sofort verstehen, wahnsinnig viel können und alles immer im Kopf behalten. Angeblich ist das ja sehr geil und man wird darum beneidet.....
Aber zurück zu den surrenden Gedanken. Manchmal beginnen sie so zu rasen, dass sich alles zu einem sehr komischen Bild vermengt. Meine Freunde Amy und Fogo leben in Bangkok und sind zur Zeit von einer mächtigen Katastrophe bedroht, können jeden Moment ihr Hab und Gut verlieren. Hilflos dem Kommenden ausgeliefert, ohne irgendeiner Chance was dagegen zu tun!
Und ich? Hab gerade wieder mal versucht einen Spaziergang zu machen und bin an einer Panikattacke gescheitert. Also wieder herinnen. Im Warmen, im Trockenen, in Sicherheit.

Geht aber leider nicht in meinen Kopf hinein, dass ich in Sicherheit bin. Immer, da ich ja in Österreich lebe. Und was immer mir unsere vollkommen verwirrten PolitikerInnen erzählen wollen: es geht mir gut, ich bin abgesichert, bin in Sicherheit und habe keine Probleme.

Trotzdem ist das Bild im Schädel ein vollkommen anderes. Weil die Psyche wieder mal rebelliert wie die Sau. Weil das was schon lange her ist, sich nicht wegschieben lässt. Immer wieder auftaucht und da ist. Da bleibt. Tja, ich bin mir sicher: echt beneidenswert, wenn man sich alles merkt und sich immer und immer wieder daran erinnern kann.....

Trotzdem gibt es was, das einen noch heftiger erwischen kann. Hat mir vor Kurzem ein Freund geschrieben und ich bin mir sicher, dass ich ihn zitieren darf, also tu ich das: „Die Mutter meiner Frau war im Heim am Wilhelminenberg. Da war sie 12. Sie hat alles verdrängt. Jetzt plötzlich bricht alles wieder in ihr auf. Sie hat sich schon beim Weissen Ring gemeldet. Sie versteht nicht, warum sie das alles über die Jahrzehnte nicht mehr "wußte". Jetzt kommt alles wieder hoch. Schwere Zeit für uns alle.“

Und dann hat er noch etwas dazugefügt:
Ich fühle mit dir. Mir geht es zwar bei weitem nicht so wie dir, aber es geht mir trotzdem. Und zwar sehr. Sehr oarg. Im Gedanken bin ich oft bei dir. Auch wenn ich mich grad verstecke. Ich sehe dich oft vor mir. Im Kinderdorf. Heute weiß ich, warum ich damals fühlte, was nur Menschen fühlen, die ähnliches erlebt haben. Ich sah es in dir.

Das ist das Kinderdorf Pöttsching, das wir zur Zeit mit „Scherasade. Keine Gewalt gegen Kinder!“ unterstütze. Damals musste man zu den Hochbegabten gehören um aufgenommen zu werden. Hochbegabte Sozialwaisen, wie das so nett geheissen hat.
Heute reicht es vollkommen, wenn die Kids misshandelt oder missbraucht worden sind. Und wenn ein Platz frei ist. Und genug Geld da ist um das zu finanzieren, was zu den schönsten Möglichkeiten im Leben eines Kindes gehört. Ihm zu helfen die Bilder im Kopf wegzuarbeiten. Und daran zu glauben, dass das Leben sicher und schön ist.
Und die lieben Eltern, Onkels, Tanten oder Nachbarn keine Gefahr mehr darstellen......

„Scherasade. Keine Gewalt gegen Kinder!“ Es werden immer mehr, die uns unterstützen. Immer mehr, die nicht mehr wegschauen. Wir freuen uns über alle, die noch dazu kommen: http://www.scherasade.at