06.04.2011

Die Strasse hat mich einiges für´s Leben gelehrt.....

Irgendwie war es schon recht spannend. Das Leben auf der Strasse. Obdachlos, wie man bei uns daheim sagt. Hat bei mir schon sehr frühzeitig mit kleineren Versuchen begonnen.
Zum ersten Mal mit sechs Jahren. „Wenn Du Deine Schultasche nicht findest, brauchst Du gar nicht mehr heimkommen“ hab ich zuhause gehört. Ich hab das wörtlich genommen, bin in den Park gegangen und war wildentschlossen auf der Parkbank zu übernachten. Allerdings nur bis es kalt und dunkel wurde. Dann bin ich doch heimgegangen.
Aber ich hatte schon damals eines gelernt: es geht. Wenn auch noch nicht lange. Das kam dann etwas später. Ich bin immer wieder von daheim ausgerissen. (Etwas, das mir auf meine eigene Art und Weise bis heute geblieben ist.) Mit zehn Jahren hab ich mich dann in den Zug gesetzt und bin nach München gefahren. Für mich damals fast das Ende der Welt. Kurzzeitig hatte ich sogar einen Job in einer Küche gefunden. Ich war damals schon körperlich so gross, dass man mir die vierzehn Jahre, die ich vorgab zu sein, abnahm. Hat aber nur funktioniert, bis mich ein Polizist auf der Strasse kontrolliert hat. Dann ging es wieder zurück nach Österreich und dann gleich weiter in´s Kinderdorf Pöttsching. Ein Heim für hochbegabte Sozialwaisen, wie es so schön hiess. Da hab ich dann zum ersten Mal erfahren, dass ich nicht zu blöd für alles, sondern um einiges intelligenter als der Duchschnitt, bin.
Es folgten ein paar glückliche Jahre, in denen ich nie auf die Reise ging. Nach einem Kurzaufenthalt bei meiner Oma war ich wieder unterwegs. Diesmal in Wien. Ohne Netz und doppeltem Boden, auf der Strasse. Damals, das war 1977. Da gab es noch mehr Möglichkeiten sich durchzuschlagen. Mein erstes Domizil war die Arena. Ein besetzter Schlachthof mit allerlei Kulturinitiativen. Und mit der Möglichkeit in den ehemaligen Schweineställen das Quartier aufzuschlagen. Ein Platz an dem ich viele nette Menschen kennenlernte. Viele, die heute noch im Musikbusiness anzutreffen sind und auch noch immer zu meinen guten Bekannten gehören.
Eine wilde ungezügelte Zeit, in der es für mich keine grössere Sorge gab, als das bisschen Essen zu besorgen, das ich zum Überleben benötigte. Und eine Zeit, die mich gelehrt hat, dass ich mit fast nichts auch leben kann. Sogar sehr genussvoll konnte ich damals mit dem Umstand umgehen.
Natürlich möchte ich nie wieder auf der Strasse landen. Aber das Wissen, dass es geht ist viel wert...

Zum Abschluss natürlich meine gleichbleibend lautstarke Forderung:
KEINE GEWALT GEGEN KINDER!
Mehr dazu unter http://www.scherasade.at