Vor allem ein Leben, das sich sehr oft zufällig gestaltet hat. Wie zum Beispiel diese Episode von vor rund 25 Jahren zeigt: Wieder mal so eine Zeit in der ich nicht wusste was ich tun soll. Also das bewährte System; Zeitung aufschlagen und schauen was gerade spannend klingt.
Börsenhandel. Klang echt verlockend. Also nichts wie hin und das Vorstellungsgespräch führen. Am Weg, im Bus, ein Buch über das Funktionieren von Märkten an der Börse reingezogen. Und schon konnte ich wieder mit Halbwissen brillieren. Der Rest wurde mir in einer einwöchigen Einschulung beigebracht. Und dann folgte eine geradezu unglaubliche Zeit. Vor mir der Bildschirm mit den Marktbewegungen, das Telefon permanent am Ohr und ab ging die Post. Ab dem ersten Tag hab ich per Telefon akquiriert was das Zeug gehalten hat, Menschen unterschiedlichster Herkunft die gewaltigen Chancen von Optionen erklärt, Überweisungen abgewartet und dann gehandelt wie ein Teufel. Das ist eine für meine Verhältnisse unglaublich lange Zeit, nämlich fast ein Jahr, hervorragend gelaufen.
Irgendwie hatte ich ein Händchen für die Sache. Ich selbst hab ausgezeichnet verdient und, was mir immer wichtig war, meine Kunden mit mir. In dem ganzen Jahr ist jede meiner Prophezeiungen eingetroffen. Natürlich war es reines Glück, gemischt mit einer Prise Weitsicht. Ich war binnen kürzester Zeit der King.
Bis sich die Chefs überlegten, dass sie ja nicht unbedingt alles wirklich in die Märkte investieren müssten. Immer wieder mal gezielt auf den falschen Markt setzen und die Kohle fröhlich einstreifen. Zumindest kam in mir der intensive Verdacht auf, da sie mich plötzlich nicht mehr wählen lassen wollten wo das Geld meiner Kunden hingeht. Wollten mir vorschreiben welche Märkte ich zu verkaufen hätte. Schweinbäuche zum Beispiel. Absoluter Bullshit. Viel zu riskant, also für meinen Geschmack.
Für mich war sofort klar, dass die ulkige Zeit des Optionenhandels vorbei war. Hab einfach alle Kunden angerufen, mich verabschiedet, ihnen ihre Guthaben überweisen lassen und mitgeteilt, dass sie ja jederzeit mit einem neuen Gesprächspartner wieder einsteigen könnten. Meine Privisionen auszahlen lassen, raus auf die Wienzeile, die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und am Naschmarkt ein gutes Achter trinken gehen. So ist das Leben ja auch ganz sexy.
Und ausserdem; es gab ja Tageszeitungen mit jeder Menge spannender Jobangebote.......
Zur Zeit geht es mir wieder so. Ich hab keine Ahnung was ich als Nächstes tun werde; aber ich weiss, dass es sicher Spass machen wird :-)
Zum Abschluss natürlich meine gleichbleibend lautstarke Forderung:
KEINE GEWALT GEGEN KINDER!
Mehr dazu unter http://www.scherasade.at
05.04.2011
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