Das war ja auch so ein unglaublicher Job. Reingestolpert über ein Inserat, drei Tage intensive Einschulung und ab in´s Geschehen. Walter Wiesers Gewerbewaschmittel. Ich wurde mit Kübel, Wischmob, Putzmitteln und jeder Menge Halbwissen auf die Geschäftswelt losgelassen.
Die Mariahilferstrasse war mein Gebiet. Zuerst mal die kleineren Geschäfte. "Guten Tag, Richard Bodingbauer, darf ich Ihnen kurz was zeigen?" Ohne eine Antwort abzuwarten den Wischmob auf den Boden geklatscht und mitten im Geschäft einen Quadratmeter auf Hochglanz gebracht. Für jedes Geschäft eine mittelmässige Katastrophe. Rundum der von Schuhen verschmutzte Boden und mittendrin: ich; vor einem pipifein sauberen Stück Boden. Wo immer ich das getan hatte, sind die Chefinnen und Chefs mit weit aufgerissenen Augen gestanden und haben sich gefragt was der Verrückte da gemacht hat.
Dann hab ich die unglaubliche Wirkung der diversen Putzmittel in buntesten Farben angepriesen und je nach Stimmung mal mehr mal weniger verkauft. Allerdings war ich kein guter Verkäufer. Ich war schon froh, wenn man mir die Mindestmenge abgenommen hat. Also war es auch mit der Provision nicht so üppig.
Als mich aber eines Tages eine Geschäftsfrau fragte ob ich abend vorbeikommen und den Rest des Ladens auch reinigen könnte, ist es eine zeitlang geldseitig echt bergauf gegangen. Tagsüber hab ich Kleinstflächen gerinigt, meine Mindestmengen verkauft, abends den Rest des Bodens auf Vordermann gebracht.
Alle waren eine geraume Zeit sehr zufrieden, ausser Walter Wieser natürlich. Denn, da ich mir mein Geld (was er natürlich nicht wusste) mit der Bodenreinigung eher leicht verdiente, kam ich selbstverständlich niemals über die Mindestbestellmenge hinaus.
Tja wie schon gesagt, ich war wirklich ein lausiger Verkäufer; aber ein ausgezeichneter Bodenputzer. Bezahlt nach gereinigten Quadratmetern.....
Zum Abschluss natürlich meine gleichbleibend lautstarke Forderung:
KEINE GEWALT GEGEN KINDER!
Mehr dazu unter http://www.scherasade.at
10.04.2011
06.04.2011
Die Strasse hat mich einiges für´s Leben gelehrt.....
Irgendwie war es schon recht spannend. Das Leben auf der Strasse. Obdachlos, wie man bei uns daheim sagt. Hat bei mir schon sehr frühzeitig mit kleineren Versuchen begonnen.
Zum ersten Mal mit sechs Jahren. „Wenn Du Deine Schultasche nicht findest, brauchst Du gar nicht mehr heimkommen“ hab ich zuhause gehört. Ich hab das wörtlich genommen, bin in den Park gegangen und war wildentschlossen auf der Parkbank zu übernachten. Allerdings nur bis es kalt und dunkel wurde. Dann bin ich doch heimgegangen.
Aber ich hatte schon damals eines gelernt: es geht. Wenn auch noch nicht lange. Das kam dann etwas später. Ich bin immer wieder von daheim ausgerissen. (Etwas, das mir auf meine eigene Art und Weise bis heute geblieben ist.) Mit zehn Jahren hab ich mich dann in den Zug gesetzt und bin nach München gefahren. Für mich damals fast das Ende der Welt. Kurzzeitig hatte ich sogar einen Job in einer Küche gefunden. Ich war damals schon körperlich so gross, dass man mir die vierzehn Jahre, die ich vorgab zu sein, abnahm. Hat aber nur funktioniert, bis mich ein Polizist auf der Strasse kontrolliert hat. Dann ging es wieder zurück nach Österreich und dann gleich weiter in´s Kinderdorf Pöttsching. Ein Heim für hochbegabte Sozialwaisen, wie es so schön hiess. Da hab ich dann zum ersten Mal erfahren, dass ich nicht zu blöd für alles, sondern um einiges intelligenter als der Duchschnitt, bin.
Es folgten ein paar glückliche Jahre, in denen ich nie auf die Reise ging. Nach einem Kurzaufenthalt bei meiner Oma war ich wieder unterwegs. Diesmal in Wien. Ohne Netz und doppeltem Boden, auf der Strasse. Damals, das war 1977. Da gab es noch mehr Möglichkeiten sich durchzuschlagen. Mein erstes Domizil war die Arena. Ein besetzter Schlachthof mit allerlei Kulturinitiativen. Und mit der Möglichkeit in den ehemaligen Schweineställen das Quartier aufzuschlagen. Ein Platz an dem ich viele nette Menschen kennenlernte. Viele, die heute noch im Musikbusiness anzutreffen sind und auch noch immer zu meinen guten Bekannten gehören.
Eine wilde ungezügelte Zeit, in der es für mich keine grössere Sorge gab, als das bisschen Essen zu besorgen, das ich zum Überleben benötigte. Und eine Zeit, die mich gelehrt hat, dass ich mit fast nichts auch leben kann. Sogar sehr genussvoll konnte ich damals mit dem Umstand umgehen.
Natürlich möchte ich nie wieder auf der Strasse landen. Aber das Wissen, dass es geht ist viel wert...
Zum Abschluss natürlich meine gleichbleibend lautstarke Forderung:
KEINE GEWALT GEGEN KINDER!
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Zum ersten Mal mit sechs Jahren. „Wenn Du Deine Schultasche nicht findest, brauchst Du gar nicht mehr heimkommen“ hab ich zuhause gehört. Ich hab das wörtlich genommen, bin in den Park gegangen und war wildentschlossen auf der Parkbank zu übernachten. Allerdings nur bis es kalt und dunkel wurde. Dann bin ich doch heimgegangen.
Aber ich hatte schon damals eines gelernt: es geht. Wenn auch noch nicht lange. Das kam dann etwas später. Ich bin immer wieder von daheim ausgerissen. (Etwas, das mir auf meine eigene Art und Weise bis heute geblieben ist.) Mit zehn Jahren hab ich mich dann in den Zug gesetzt und bin nach München gefahren. Für mich damals fast das Ende der Welt. Kurzzeitig hatte ich sogar einen Job in einer Küche gefunden. Ich war damals schon körperlich so gross, dass man mir die vierzehn Jahre, die ich vorgab zu sein, abnahm. Hat aber nur funktioniert, bis mich ein Polizist auf der Strasse kontrolliert hat. Dann ging es wieder zurück nach Österreich und dann gleich weiter in´s Kinderdorf Pöttsching. Ein Heim für hochbegabte Sozialwaisen, wie es so schön hiess. Da hab ich dann zum ersten Mal erfahren, dass ich nicht zu blöd für alles, sondern um einiges intelligenter als der Duchschnitt, bin.
Es folgten ein paar glückliche Jahre, in denen ich nie auf die Reise ging. Nach einem Kurzaufenthalt bei meiner Oma war ich wieder unterwegs. Diesmal in Wien. Ohne Netz und doppeltem Boden, auf der Strasse. Damals, das war 1977. Da gab es noch mehr Möglichkeiten sich durchzuschlagen. Mein erstes Domizil war die Arena. Ein besetzter Schlachthof mit allerlei Kulturinitiativen. Und mit der Möglichkeit in den ehemaligen Schweineställen das Quartier aufzuschlagen. Ein Platz an dem ich viele nette Menschen kennenlernte. Viele, die heute noch im Musikbusiness anzutreffen sind und auch noch immer zu meinen guten Bekannten gehören.
Eine wilde ungezügelte Zeit, in der es für mich keine grössere Sorge gab, als das bisschen Essen zu besorgen, das ich zum Überleben benötigte. Und eine Zeit, die mich gelehrt hat, dass ich mit fast nichts auch leben kann. Sogar sehr genussvoll konnte ich damals mit dem Umstand umgehen.
Natürlich möchte ich nie wieder auf der Strasse landen. Aber das Wissen, dass es geht ist viel wert...
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Scherasade
05.04.2011
Eigentlich hatte ich immer ein schräges Leben.....
Vor allem ein Leben, das sich sehr oft zufällig gestaltet hat. Wie zum Beispiel diese Episode von vor rund 25 Jahren zeigt: Wieder mal so eine Zeit in der ich nicht wusste was ich tun soll. Also das bewährte System; Zeitung aufschlagen und schauen was gerade spannend klingt.
Börsenhandel. Klang echt verlockend. Also nichts wie hin und das Vorstellungsgespräch führen. Am Weg, im Bus, ein Buch über das Funktionieren von Märkten an der Börse reingezogen. Und schon konnte ich wieder mit Halbwissen brillieren. Der Rest wurde mir in einer einwöchigen Einschulung beigebracht. Und dann folgte eine geradezu unglaubliche Zeit. Vor mir der Bildschirm mit den Marktbewegungen, das Telefon permanent am Ohr und ab ging die Post. Ab dem ersten Tag hab ich per Telefon akquiriert was das Zeug gehalten hat, Menschen unterschiedlichster Herkunft die gewaltigen Chancen von Optionen erklärt, Überweisungen abgewartet und dann gehandelt wie ein Teufel. Das ist eine für meine Verhältnisse unglaublich lange Zeit, nämlich fast ein Jahr, hervorragend gelaufen.
Irgendwie hatte ich ein Händchen für die Sache. Ich selbst hab ausgezeichnet verdient und, was mir immer wichtig war, meine Kunden mit mir. In dem ganzen Jahr ist jede meiner Prophezeiungen eingetroffen. Natürlich war es reines Glück, gemischt mit einer Prise Weitsicht. Ich war binnen kürzester Zeit der King.
Bis sich die Chefs überlegten, dass sie ja nicht unbedingt alles wirklich in die Märkte investieren müssten. Immer wieder mal gezielt auf den falschen Markt setzen und die Kohle fröhlich einstreifen. Zumindest kam in mir der intensive Verdacht auf, da sie mich plötzlich nicht mehr wählen lassen wollten wo das Geld meiner Kunden hingeht. Wollten mir vorschreiben welche Märkte ich zu verkaufen hätte. Schweinbäuche zum Beispiel. Absoluter Bullshit. Viel zu riskant, also für meinen Geschmack.
Für mich war sofort klar, dass die ulkige Zeit des Optionenhandels vorbei war. Hab einfach alle Kunden angerufen, mich verabschiedet, ihnen ihre Guthaben überweisen lassen und mitgeteilt, dass sie ja jederzeit mit einem neuen Gesprächspartner wieder einsteigen könnten. Meine Privisionen auszahlen lassen, raus auf die Wienzeile, die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und am Naschmarkt ein gutes Achter trinken gehen. So ist das Leben ja auch ganz sexy.
Und ausserdem; es gab ja Tageszeitungen mit jeder Menge spannender Jobangebote.......
Zur Zeit geht es mir wieder so. Ich hab keine Ahnung was ich als Nächstes tun werde; aber ich weiss, dass es sicher Spass machen wird :-)
Zum Abschluss natürlich meine gleichbleibend lautstarke Forderung:
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Börsenhandel. Klang echt verlockend. Also nichts wie hin und das Vorstellungsgespräch führen. Am Weg, im Bus, ein Buch über das Funktionieren von Märkten an der Börse reingezogen. Und schon konnte ich wieder mit Halbwissen brillieren. Der Rest wurde mir in einer einwöchigen Einschulung beigebracht. Und dann folgte eine geradezu unglaubliche Zeit. Vor mir der Bildschirm mit den Marktbewegungen, das Telefon permanent am Ohr und ab ging die Post. Ab dem ersten Tag hab ich per Telefon akquiriert was das Zeug gehalten hat, Menschen unterschiedlichster Herkunft die gewaltigen Chancen von Optionen erklärt, Überweisungen abgewartet und dann gehandelt wie ein Teufel. Das ist eine für meine Verhältnisse unglaublich lange Zeit, nämlich fast ein Jahr, hervorragend gelaufen.
Irgendwie hatte ich ein Händchen für die Sache. Ich selbst hab ausgezeichnet verdient und, was mir immer wichtig war, meine Kunden mit mir. In dem ganzen Jahr ist jede meiner Prophezeiungen eingetroffen. Natürlich war es reines Glück, gemischt mit einer Prise Weitsicht. Ich war binnen kürzester Zeit der King.
Bis sich die Chefs überlegten, dass sie ja nicht unbedingt alles wirklich in die Märkte investieren müssten. Immer wieder mal gezielt auf den falschen Markt setzen und die Kohle fröhlich einstreifen. Zumindest kam in mir der intensive Verdacht auf, da sie mich plötzlich nicht mehr wählen lassen wollten wo das Geld meiner Kunden hingeht. Wollten mir vorschreiben welche Märkte ich zu verkaufen hätte. Schweinbäuche zum Beispiel. Absoluter Bullshit. Viel zu riskant, also für meinen Geschmack.
Für mich war sofort klar, dass die ulkige Zeit des Optionenhandels vorbei war. Hab einfach alle Kunden angerufen, mich verabschiedet, ihnen ihre Guthaben überweisen lassen und mitgeteilt, dass sie ja jederzeit mit einem neuen Gesprächspartner wieder einsteigen könnten. Meine Privisionen auszahlen lassen, raus auf die Wienzeile, die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und am Naschmarkt ein gutes Achter trinken gehen. So ist das Leben ja auch ganz sexy.
Und ausserdem; es gab ja Tageszeitungen mit jeder Menge spannender Jobangebote.......
Zur Zeit geht es mir wieder so. Ich hab keine Ahnung was ich als Nächstes tun werde; aber ich weiss, dass es sicher Spass machen wird :-)
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