03.11.2011

Burnout; scheiss Hilflosigkeit!


Gestern ein Polizist, heute ein Bankvorstand, da die Sekretärin, dort der Spitzensportler und auch ein paar Freunde von mir. Es beginnt sich zu schleppen, die Kraftlosigkeit steigert sich zum Höchstwert, dann kommt die Angst dazu, dann Panikattacken, dann erkennt man die schon länger vorherrschende Depression.

Zeitweise schleichen sich Selbstmordgedanken ein, tröstliche Gedanken, da sie diesen Zustand beenden würden, aber dann siegt glücklicherweise die Vernunft, die Erinnerung, dass das Leben doch schön sein kann.

Zumindest bei mir. Sicher auch, weil die nächste mehrmonatige Therapieeinheit in Aussicht gestellt ist. Und die Wartezeit darauf kann ich noch aushalten. Mit Medikamenten zwar, aber doch. Mit Rausgehen, unter Menschen sein, ist es zwar jetzt wieder mal komplett vorbei, was weh tut, aber das lässt sich nicht ändern.

Was aber wirklich das Schreckliche am Burnout ist; diese unendliche Hilflosigkeit dem Zustand gegenüber. Telefon abheben: unmöglich. Besuch empfangen: geht nicht. Vielleicht eine kleine Aufgabe erledigen: am Abend ist sie noch immer offen. Es geht ganz einfach gar nichts mehr. Null! Ausser dem täglichen Alleinsein mit Dir selbst. Auch wenn es doch einmal gelingt sich in Gesellschaft zu begeben; man ist allein. Und will sofort wieder heim. Zumindest allein sein, beim Alleinsein....

Dazu kommen zwischendurch die Aufmunterungen aus dem Umfeld, den Menschen die das Glück haben diesen Zustand nicht zu kennen. Und auch das Unverständnis, weil ihnen dieses Gefühl eben fremd ist. Die Ungläubigkeit darüber, dass der einfachste Weg vor die Tür unmöglich ist, weil er mit einer derartig brutalen Angst belegt ist, die eben nur jenen Menschen bekannt ist, die Burnout kennen.

Zugleich raubt man allerdings in diesem Zustand seinem Umfeld langsam aber sicher die Kraft. Weil keine Zusagen mehr gelten. Weil Vereinbartes nicht mehr eingehalten wird. Weil Anrufe nicht beantwortet werden. Weil auch das Umfeld hilflos wird. Hilflos gegenüber meiner Hilflosigkeit mir selbst gegenüber.

Irgendwann, wie gesagt; sicher auch Dank der kommenden Therapie, wird das Vergangenheit sein. Aber im Jetzt und Hier bin ich nicht da.


Vieles, das uns zum Teil ein Leben lang begleitet oder nur durch intensive psychische Arbeit wieder in´s Lot gebracht werden kann, hat seine Ursache ganz am Anfang unseres Sein´s auf dieser Welt. Das ist nur einer der vielen Gründe für meine immer gleichbleibend lautstarke Forderung: KEINE GEWALT GEGEN KINDER!

Mit dem Charityprojekt Scherasade versuchen wir seit Langem ein Umdenken in unserer Gesellschaft zum Thema Kindesmisshandlung zu erreichen. Menschen zumindest dazu zu bringen nicht mehr wegzuschauen! Und sammeln Spenden, um Kinder zu unterstützen, denen ein liebevoller Start in´s Leben verwehrt geblieben ist. Infos und Spendenmöglichkeiten -> http://www.scherasade.at

2 Kommentare:

  1. sehr treffend formuliert.
    der "zustand" ist für "normale" menschen nicht nachvollziehbar. die meisten reagieren mit völliger verständnislosigkeit oder: der/die hat ja einen klopfer.
    nicht mal ärzte haben teilweise verständnis dafür.... und bei mir helfen die verordneten medis null.

    gestern war in atv ein beitrag über burn out. klugscheisserei wurde in der sendung betrieben. auch das "vorspielen" von burn out kam zur sprache. als wenn solch eine rolle wirklich jemand spielen könnte, dem es grad nicht beschissen geht.

    ich freu mich über jeden neuen beitrag von dir.
    und weiter so mit keine gewalt gegen kinder.

    alles gute dir!

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  2. ich freue mich auch immer über jeden neuen beitrag in deinem blog. ich bin selbst mitten im burnout und kann dir deshalb nur empfehlen durchzuhalten. die therapie dauert mindestens drei jahre bis alles wieder "normal" ist. viel glück. und bitte weiterschreiben. danke!

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