22.12.2010

Das günstigste und doch wertvollste Weihnachtsgeschenk für Kinder!


Eigentlich sollten wir es sowieso wissen, aber jetzt ist es auch - voraussichtlich zum wiederholten Mal! - wissenschaftlich fundiert worden: "Kleine Kinder sind vor allem dann happy, wenn es die Eltern sind. Sie wünschen sich qualitativ hochwertige Zeit mit der Familie, die vorbehaltlos mit ihnen verbracht wird und das heisst: ohne schlechte Laune."
Gerade in der Vorweihnachtszeit werden - auch erwiesener Massen - vermehrt Kinder misshandelt. Das kommt unter anderem daher, dass die Eltern unter grösserem Stress stehen, da das Haushaltsbudget aufgrund der Weihnachtseinkäufe stärker belastet ist.
Und das wird dann an den Kindern ausgelassen, die ja "Auslöser" dieser Situation sind. Wie schön wäre es, wenn sich alle Eltern wieder auf das besinnen würden, was ihre Kinder wirklich brauchen und womit sie am besten glücklich gemacht werden können: die uneingeschränkte Liebe ihrer Eltern. Weihnachten könnte für alle Kinder ein wunderschönes Fest im eigentlichen Sinn sein: ein Fest der Liebe und Besinnung auf das Wesentliche.......
Mit dem Projekt "Scherasade. Keine Gewalt gegen Kinder" kämpfen wir das ganze Jahr für eine glückliche, gewaltfreie Kindheit. Und ganz besonders zu Weihnachten; weil wir intensiv hoffen, dass sich unsere Gesellschaft irgendwann zu einer besseren für alle Kinder entwickelt!

2 Minuten zum weihnachtlichen Nach- und Mitdenken:
http://www.youtube.com/watch?v=jC9CbLNA7_E Vielen Dank!

05.12.2010

Aufbauen und zerstören...

...und zwar immer wieder mich selbst. Ein Zustand, der mich seit mittlerweile 35 Jahren begleitet. Ausschliesslich Himmel oder Hölle. Laut schreien oder schweigen. Unendliche Wut gegen alles und jeden oder die ganze Welt umarmen. Auf dem Tisch tanzen oder tagelang unbeweglich auf der Bank liegen. Eine ganz tiefe Bedeutung in meinem Tun zu sehen oder es als vollkommen sinnlos zu empfinden. Monatelang oder auch jahrelang irgendetwas aufbauen und im Moment des Erfolgs umdrehen - gehen. Niemals einen Blick zurück werfen. Niemals die Konsequenzen des Bruchs durchdenken. Mir selbst niemals eine zweite Chance geben. Niemals Anerkennung echt zulassen. Niemals Gefühle auskosten. Niemals jemanden an mich heranlassen. Niemals auch nur ein zartes Grau zwischen Schwarz und Weiss zu erkennen. Das ist nicht traurig. Das ist nicht lustig. Das ist auch unter Garantie nicht bedauerlich. Das ist einfach nur Fakt. Das ist mein Leben.

Ich weiss, dass ich immer wieder den gewaltigen Höhenflug antreten werde. Jedesmal ein Stück höher. Und noch höher. Und noch höher. Im Wissen, dass ich es ganz oben mit hundertprozentiger Sicherheit zerstören werde; das Ich.....
Aber das ist es auch, was mir immer wieder Flügel verleiht, mich immer wieder fliegen lässt. Und das ist eigentlich auch nicht schlecht :-)

27.11.2010

Dieses unendliche Totschweigen macht mich wahnsinnig!

Seit ich laut von mir gegeben habe, dass ich psychisch schwerstens im Eck bin und heuer eine dreimonatige Therapie gemacht habe, um mich wieder in den Griff zu bekommen, reden mich viele Menschen darauf und ihre eigene erschreckende Situation an. Erzählen mir von ihren psychischen Problemen. Von ihren Ängsten im Alltag, von Depressionen, Panikattacken, Selbstmordgedanken, dem schon lange stattfindendem Rückzug aus der Öffentlichkeit und vielem mehr. Bei sehr vielen sind Erlebnisse, Misshandlungen und Missbrauch in der Kindheit Auslöser der psychischen Probleme. Das ist das Thema, das ich laut und immer lauter mit meinem Projekt "Scherasade. Keine Gewalt gegen Kinder!" auch dank der Unterstützung durch sehr viele österreichische KünstlerInnen kampagnisiere. Und wir werden alle gemeinsam im kommenden Jahr, aber natürlich auch in den nächsten Jahren so laut werden, dass niemand mehr an dem Thema vorbeikann!!!

Aber was mich darüber hinaus immer wieder so erschreckt, ist die Tatsache, dass es so viele Menschen gibt, die davon bestroffen sind, selbst extreme psychische Probleme haben, und schweigen. Aus Scham, wegen gesellschaftlicher Zwänge, weil man darüber nunmal nicht spricht, weil man dann vielleicht "Freunde" verliert, weil man dann vielleicht Unannehmlichkeiten im Job bekommt; es gibt hunderte scheinbare Gründe, warum geschwiegen wird. Bis man sich selbst aus der Umwelt raus- und totgeschwiegen hat!
Auch ich habe in meinem Umfeld Menschen, die sich nicht mehr bei mir melden. Menschen, die mit dem Thema Misshandlung und mit mir nichts (oder nichts mehr) zu tun haben wollen.
Ganz ehrlich: Scheiss drauf! Wer nicht will, der hat schon!
Aber alle anderen, alle Betroffenen, alle psychisch Erkrankten, alle Angehörigen - und das sind, wie wir mittlerweile wissen, rund die Hälfte aller ÖsterreicherInnen! - DIE sollten endlich aufhören zu schweigen. Denn solange wir schweigen, ändert sich nichts grundlegendes an der Situation. Solange werden sich Menschen weiter verschämt zurückziehen, solange werden psychische Probleme weiter verschwiegen, solange werden wir alle gemeinsam am TOTSCHWEIGEN beteiligt sein und es wird sich niemals was ändern!

26.11.2010

Mal wieder ein wenig nachdenken......

.....über das, was gerade so ist. In den letzten drei Wochen war ich auf vier Begräbnissen. Zwei entfernte Bekannte, zwei die mir nahe gegangen sind, zwei waren unter fünfzig, eine davon eine gute Freundin. Einfach weg. Heute war ich bei einem Fest von guten Freunden, die sich freuen, dass sie sich lieben und das feiern. Da hab ich ein anderes Paar getroffen. Auch langjährige Freunde von mir. Haben sich gerade getrennt. Dazwischen ruft mich eine alte Bekannte an und erzählt mir - weil ich doch Scherasade veranstalte - ihr Martyrium von Missbrauch in ihrer Kindheit. Kurz danach ein anderes Telefonat mit einer wundervollen Frau, die Musikinstrumente (für die durch Scherasade begünstigten Kids) sammeln wird. Irgendwo zwischendurch bei Freunden, um ein wenig musikalisch zu proben, da ich mir in den Kopf gesetzt habe am 30. November auch selbst zu singen. Dann wieder ein ausgezeichneter Musiker, der beim nächsten Scherasade Event gerne auftreten und damit das Projekt unterstützen will. Überschwengliche Freude, tiefe Trauer, Lachen, Weinen...... Wenn sich gerade, was echten selten ist, nichts ergibt, laufen rund tausend fantastische Geschichten in meinem Hirn paralell nebeneinander her und wollen beachtet sein.
Und wenn mir dann mal ein Freund sagt "Du siehst müde aus" denke ich mir; ja, traumlos schlafen muss eine interessante Erfahrung sein... :-)

20.11.2010

Gemeinsam ist es so einfach.....


Gemeinsam spielen, gemeinsam spazieren gehen, gemeinsam basteln, gemeinsam in´s Museum gehen, gemeinsam durch die Stadt bummeln, gemeinsam einen Ausflug machen, gemeinsam die Küche rocken, gemeinsam Spass haben, gemeinsam Freude haben, gemeinsam Märchen lesen... Es gibt unendlich Vieles, was man gemeinsam machen kann. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten Kindern ein ganz breites Grinsen in´s Gesicht zu zaubern. Wenn man mit seinen Kindern gemeinsam Spass am Leben hat! Eigentlich ist es gemeinsam ganz einfach.....

Das ist es, was alle KünstlerInnen, UnterstützerInnen und BesucherInnen unserer Events gemeinsam mit dem Charityprojekt "Scherasade. Keine Gewalt gegen Kinder!" vermitteln wollen. Und das machen wir so lange, bis es endlich alle verstanden haben!!!

19.11.2010

Und das Wichtigste in meinem Leben.....


....ist, dass ich meine Genussfähigkeit kennengelernt habe. Dieses sanfte Zurücklehnen, Ausatmen und einfach mit mir zu sein. Den Geruch der Umwelt aufzunehmen, in der Küche lang Zeit zu nehmen um eine echte Köstlichkeit zuzubereiten, eine gute Flasche Wein zu öffnen und mit Bedacht zu geniessen, mich vollkommen auf meine Fähigkeiten zu verlassen, langsam zu Lernen meine unbegründeten Ängste abzubauen, mich auf das Kommende zu freuen und das Gewesene gewesen sein zu lassen, das Unerwartete glücklich in die Arme zu nehmen, jeden Moment in meinem Leben so als ausgezeichnet zu empfinden, wie er ist. Und zu wissen, dass ich echte Freunde habe, auf die ich mich zu hundert Prozent verlassen kann.
Es gibt immer öfter Augenblicke, da bin ich ein richtig leidenschaftlich glücklicher Mensch!

Einem Schüler den Mund zugeklebt.......


...und zwar von seinem Lehrer! Ein Lehrer einer Hauptschule in Wien-Margareten hat einem Schüler mit Klebeband den Mund zugeklebt. Der Lehrer wurde abgemahnt, aber nicht suspendiert. Stadtschulrat und Schuldirektor kündigten an, den Lehrer sofort zu entlassen, sollte es NOCH EINMAL zu einem derartigen Vorfall kommen. Weil: einmal ist kein Mal, oder was auch immer das bedeuten soll.
Der Schüler hat im Werkunterricht geschwätzt! Und das war anscheinend Grund genug, ihm den Mund zuzukleben. Aber nicht Grund genug den Lehrer sofort zu entlassen.
Wir leben in einer Gesellschaft, die bei einer derartig barbarischen Tat nicht sofort laut aufschreit. Wir schauen auch verschämt weg, wenn Kinder geschlagen werden. "Vielleicht haben sie sich´s ja verdient." Genauso wie wir noch immer wegsehen, wenn Kinder vergewaltigt werden, wenn mit Kindern gehandelt wird, wie mit jeder anderen Ware oder wenn Kinder ganz einfach "nur" extrem vernachlässigt werden.
Aber; wenn Kinder betteln, stehlen, einbrechen oder "auf der Strasse herumlungern", dann ist die Aufregung eine riesige!
Weil - und das muss ja jedem ein für alle Mal klar sein - das passt doch wirklich nicht in unser gepflegtes Stadtbild. In unser gepflegtes Leben. Und was hinter verschlossenen Türen so passiert, das geht uns doch überhaupt nichts an!

Mit "Scherasade. Keine Gewalt gegen Kinder!" werden wir (und das sind wirklich viele, die das Projekt unterstützen!) nicht mehr aufhören laut zu brüllen. Bis uns wirklich alle zuhören. Und - bis NIEMAND MEHR WEGSCHAUT!

18.11.2010

Du bist doch wirklich ZU BLÖD FÜR ALLES!


Oder: so dumm wie du dich anstellst, wird nie etwas Gescheites aus Dir werden! Oder: du bist sogar zu blöd um 1 und 1 zusammenzuzählen! Oder: so vertrottelt kannst auch nur Du sein! Oder, besonders beliebt bei Mädchen: am Besten suchst Du Dir mal einen reichen Mann, denn alleine wirst Du Dich sowieso nie ernähren können!
Diese Sprüche in der Kindheit sind der ideale Weg, so richtig verblödete Erwachsene vollkommen ohne Selbstvertrauen grosszuziehen. Das ist allerdings in Wirklichkeit Kindesmisshandlung auf hohem Niveau: einem Kind von Anfang das Vertrauen in´s eigene Können, in die eigene Intelligenz zu rauben, indem man es immer wieder herabsetzt, beleidigt und in der Öffentlichkeit als „leider nicht ganz so gescheit wie die anderen“ hinzustellen.
Weil sich das immer wieder gepredigte Wort fest im Hirn der Kleinen festsetzt. Und so schaffen es tausende und abertausende Eltern tagtäglich intelligenten, aufgeweckten und neugierigen Kindern das zu nehmen, was ihnen zusteht: eine selbstbestimmte, erfolgreiche und glückliche Zukunft! Um dann später mal zu sagen: Ich hab immer nur dein Bestes gewollt, aber du hast halt leider nicht mehr aus dir gemacht.

Mit unserem Projekt "Scherasade. Keine Gewalt gegen Kinder!" http://www.scherasade.at versuchen wir, mit der Unterstützung von unzähligen österreichischen KünstlerInnen, immer wieder lautstark auf jede Form der Kindesmisshandlung aufmerksam zu machen. Und zwar so lange, bis niemand mehr wegschaut! So lange, bis Kinder in einem Klima von Sicherheit, Geborgenheit und Liebe aufwachsen dürfen. ALLE KINDER!!!

17.11.2010

Eine gesunde Ohrfeige.....


.....hat noch niemandem geschadet. Oder: Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen. Oder: Mir tut das selbst am meisten weh, aber es muss sein. Oder: Da bist Du jetzt selbst schuld, weil Du mich so lange gereizt hast. Oder, besonders fein: Das ist jetzt wirklich nur zu deinem Besten!
Es gibt unzählige Sprüche, die begründen, warum Kinder geschlagen werden. Täglich, tausende Male. Und immer wieder wird den Kindern die Schuld an den Schlägen gegeben. Kindern, die sich nicht wehren können. Und vor allem: Kindern, die dann auch wirklich daran glauben, dass sie selbst schuld sind!
Was aus diesen Kindern wird, ist schon lange bekannt: Menschen mit einer dauerhaften Verminderung von Lebensfreude, Selbstvertrauen und Selbstkontrolle. Menschen mit psychischen Störungen. Und in den härtesten Fällen: Alkoholiker, Drogensüchtige, Selbstmörder, Terroristen, Mörder, Kindesmisshandler und vieles mehr.
Aber eines wird aus geschlagenen Kindern unter Garantie nicht: Glückliche Menschen!

16.11.2010

Schweigen.......


Mitmenschen, Nachbarn, Lehrer und andere nehmen schweigende Kinder oft als übertrieben schüchtern, als unhöflich, seltsam oder im negativsten Fall auch als dumm wahr. Es ist ganz einfach sehr bequem sich nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, dass viel mehr dahinter stecken könnte. Dass es ein Alarmzeichen sein kann, wenn Kinder die Schultern hängen lassen, nicht lachen, nicht vergnügt herumhüpfen, den Kopf bei jedem lauten Wort schreckhaft senken, man ihnen Verunsicherung und Minderwertigkeitsgefühle ansehen kann. Wenn Kinder im wahrsten Sinne des Wortes „niedergeschlagen sind“. Schweigen kann ein stilles Zeichen der Verzweiflung und Verängstigung eines Kindes sein. Ein Zeichen, das man wahrnehmen sollte. Ein Zeichen, das ein Alarmsignal sein sollte. Auf jeden Fall ein Zeichen, das nicht totgeschwiegen werden darf. Auch – wenn es unbequem ist.....

15.11.2010

Sexueller Missbrauch von Kindern ist sichtbar......


.....aber leider nicht immer! Ängste verschiedenster Art, plötzliche Verhaltensänderungen und Leistungsabfall: Das alles können Anzeichen für einen sexuellen Missbrauch eines Kindes sein. (Zitat: Hedwig Wölfl) Allerdings gibt es leider keine eindeutigen Symptome. Veränderungen, die den Umgang mit dem eigenen Körper - wie Essstörungen und Einnässen - betreffen, müssen unbedingt ernst genommen werden. Manche Kinder wollen sich nicht mehr ausziehen oder waschen, andere wiederum verspüren den Drang, sich unentwegt reinigen zu müssen. Auch sexualisiertes Verhalten oder eine Wortwahl, die nicht altersgemäß ist, kann darauf hinweisen.

Und ich persönlich bin der Meinung, dass jeder echte Verdacht bei der Polizei angezeigt gehört! Dazu gibt zwar auch andere Auffassungen (weil es für die etwaig betroffenen Menschen, die eine derartige Tat nicht begangen haben und angezeigt werden höchst unangenehm sein kann), aber ich denke es ist besser eine Anzeige zu viel zu erstatten, ALS EINE ZU WENIG UND EIN KIND ZU VIEL ALLEIN ZU LASSEN!

Der tägliche sexuelle Horror......


Täglich werden Kinder in unserem Land sexuell missbraucht. Und die meisten Menschen sehen einfach weg! Bis zu zwölf Prozent an Betroffenen sind es in unserer Bevölkerung (Umfrage der Möwe im Jahr 2009) und ein Grossteil dieser Menschen fällt unter „Dunkelziffer“. Menschen, die ein Leben lang unter dem Missbrauch leiden. Weil wir in unserer Gesellschaft dieses Thema noch immer weitgehend totschweigen. Ein Schweigen, das zum seelischen Tod von Hunderttausenden führt, also ein Leben unter unglaublichen täglichen Qualen bedeutet. Scham, Angst und Schuldgefühle legen sich wie eine Mauer ein Leben lang um die Psyche des Opfers! Und so lange wir nicht aufstehen, laut schreien und jedesmal wenn wir den Verdacht auf sexuellen Missbrauch eines Kindes haben, das auch in angemessener Form aufzeigen – solange sind wir MITtäterInnen. Es ist an der Zeit was zu tun. Es ist an der Zeit jedem einzelnen dieser Kinder beizustehen. Es ist an der Zeit endlich Zivilcourage zu zeigen, statt wegzusehen und damit an diesem grausamen täglichen Missbrauch beteiligt zu sein!

Mit unserem Projekt "Scherasade. Keine Gewalt gegen Kinder!" http://www.scherasade.at versuchen wir, mit der Unterstützung von unzähligen österreichischen KünstlerInnen, immer wieder lautstark auf Kindesmisshandlung aufmerksam zu machen. Und zwar so lange, bis niemand mehr wegschaut! So lange, bis Kinder in einem Klima von Sicherheit, Geborgenheit und Liebe aufwachsen dürfen. ALLE KINDER!!!

06.11.2010

Ein überaus eindrucksvoller Charity Event!!! 10 LIVEBANDS, 2 VERNISSAGEN, 1 DJ


Eine Charitynacht der Superlative mit zehn Livebands, zwei Vernissagen und einem DJ erwartet die Gäste im Aux Gazelles am 30. November ab 18.00 Uhr. Alle KünstlerInnen stellen sich für diesen Event gagenfrei in den Dienst der guten Sache, um einem gemeinsamen Ziel lautstark Ausdruck zu verleihen: Keine Gewalt gegen Kinder! Und natürlich um den Spendentopf kräftig zu füllen.
Scherasade unterstützt mit dem Spendenerlös dieses Abends rund 560 körperlich und seelisch misshandelte Kinder aus „schwierigen familiären Verhältnissen“. Alle Kinder befinden sich in Betreuung der Gesellschaft Österreicher Kinderdörfer.

„Nachdem ich selbst in einem der Kinderdörfer (Pöttsching) aufwachsen durfte, ist mir das Projekt „Scherasade“ ein hoch persönliches Anliegen! Wir gestalten immer wieder Events bei denen Spenden gesammelt und direkt vor Ort in voller Höhe an die Geschäftsführerin der Gesellschaft Österreichischer Kinderdörfer übergeben werden.“

Live on stage: De Cordoba, DJ Soundbitch, feZZntandler, fii, FreYtag , Olga Minski, Margo, Niddl, SaxoLady, Vorstadtcombo.
Vernissagen: Mori-Art & : ursa : kunst :
Und natürlich: Drinks, Food, Party...
EINTRITT FREI! Spenden höchst willkommen!

Scherasade Xmas Charity Special
Aux Gazelles
Rahlgasse 5
1060 Wien
30.11.2010, 18:00 Uhr


Web: http://www.scherasade.at

30.10.2010

Weil´s raus sollte, danach.....15 (ergebnisorientiertes Arbeiten)

Da ergebnisorientiertes Arbeiten die wirtschaftliche Grösse schlechthin darstellt, empfiehlt sich die Misshandlung von Kindern als die beste und zielgerichtetste Variante um kaputte Menschen am laufenden Band zu produzieren, da die Erfolgsquote nachgewiesener Massen bei 100 Prozent liegt!

Ein persönlicher Auszug aus dem Erfolgsregister: Kombinierte Persönlichkeitsstörung, bipolare affektive Störung, Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität, Reaktion auf schwere Belastungen, posttraumatisches Angstsyndrom, generalisierte Angststörung, Essstörung.

Also ich finde, das kann man ruhigen Gewissens als perfekte Vollendung eingangs beschriebener Jobdescription bezeichnen. Damit wurde auch gleichzeitig eine Lebensaufgabe erzeugt, die einen - ab dem Zeitpunkt des Erkennens - pragmatisierten Dauerarbeitsplatz ohne Pensionierung bedeutet.

Im Sinne einer zukunftsorientierten Gewinnmaximierung darf in der Folge selbstverständlich höchstes Verständnis für die Weitergabe dieses Erfolgsmodells über Generationen entgegengebracht werden.

Der unverbesserlichen Opposition dieses perfekten Arbeitsmodells empfehle ich mein Projekt:
SCHERASADE. KEINE GEWALT GEGEN KINDER! http://www.scherasade.at

29.10.2010

Weil´s raus sollte, danach.....14

Wenn wir geschlagen wurden, gab es zwei Alternativen: entweder ich war zuerst dran oder eben nach meinem Bruder. Wenn ich zuerst dran war, hab ich danach nur mehr mich selbst gehört. Was aber wirklich die absolute Hölle war, wenn ich nach meinem Bruder dran war. Denn dann hab ich vorher auch auch noch meinen Bruder schreien gehört.
Schreie, die ich bis an mein Lebensende nicht vergessen werde. Und vor allem Schreie, die ich bis an mein Lebensende nicht VERZEIHEN werde! Niemals!
Auch wenn meine Psychologin mir gesagt hat, dass eine komplette Heilung und damit ein freudiges, erfülltes Leben nur möglich ist, wenn ich meine Kindheit verzeihen würde...

Weil´s raus sollte, danach.....13

Bevor ich ins psychosomatische Zentrum gekommen bin, hatte ich die Idee in Zukunft von Schreiben und Kochen zu leben. Mit fremden Menschen kochen, kosten, erfahren, sitzen, essen, gehen, schreiben. Also wenn´s irgendwer verkauft und mir genug daraus macht, dass ich das Leben finanzieren kann. Das war die Idee. Auf meinem bunten Planeten dahinzuschreiten und einfach sein zu dürfen. Jetzt weis ich nicht, ob das noch Gültigkeit hat. Aber es ist noch immer eine geile Idee!
Ich hab das Fenster offen stehen, die Jalausie ist hochgezogen und ich lasse einen kleinen Teil der Welt da draussen herein. Und das auf Dauer. Mag für andere unglaublich sein; für mich ist das ein grosser Schritt. Wer will, darf reinschauen, mich besehen. Mit den Blicken verfolgen. Beobachten. An meinem Jetztplatz. Und das stört mich nicht. Ich bin verwundert. Nicht froh, nicht frei, ziehe keinerlei Erkenntnis daraus, bin nicht glücklich darüber. Aber immerhin verwundert. Und das tut auch schon gut. Einatmen, ausatmen und gut tun fühlen. Fühlt sich gut an. So gut, dass ich Weinen könnte. Wenn ich könnte.
Mag sie hören. Mag sie spüren. Mag mich an sie kuscheln, Löffelstellung, sie vor mir, nackt, angenehm, warm, Körper an Körper. Sie halten, die Augen schliessen und ganz lange so liegen. Bis sie fühlt, dass ich sie liebe. Nur so, ganz einfach jetzt. Weil ich sie liebe. Schon seit sehr langer Zeit. Und weil sie mir abgeht. Ein schöner Gedanke, den ich jetzt mal eine zeitlang halte, mir nicht nehmen lasse.

Zitat aus meiner Kindheit: "Du wirst einer Frau nie was bieten können, wenn du so weitermachst. Keine anständige (was soll das eigentlich bedeuten, gibt´s auch unanständige?) Frau wird sich je mit Dir einlassen. Oder auch: Am Besten suchst Du Dir eine reiche Frau, denn aus eigener Kraft wirst Du Dich leider nie erhalten können. Es tut uns leid, dass Du nicht so gescheit bist wie Dein Bruder. Da kann man halt nichts machen. Aber du bist ganz geschickt. Lern halt ein Handwerk; davon kann man auch ganz gut leben. Ist ein Pech, aber es ist leider nicht jeder zum Denken geboren." Und dann gab´s da noch die Vorstellung, wenn die ach so lustigen Bekannten zu Besuch waren. Ich darf vorstellen: "Das sind meine Missratenen" (und mein Bruder und ich durften blöd dazu grinsen). Keine Ahnung was sie damit sagen wollten. Vielleicht, dass sie die einzige Form des beachtenswerten Lebens vertreten. Dass Leben nur im Sonnenschein von Macht, Geld, Autos, Häusern und zur Schau gestelltem Erfolg das Richtige ist. Und alles andere eine niedrige Lebensform darstellt, verachtenswert, aber man muss halt damit umgehen können? Eine gepflegte Hülle zeigen, damit das was wirklich dahinter steht nicht ans Tageslicht kommt. Es hat verdammt lange knapp 50 Jahre gedauert, bis ich es mir und auch dem Rest der Welt lautstark eingestehen kann: da scheiss ich einen riesen Krapfen drauf! Ich weis zwar nicht wer ich bin, aber wer mich nicht sein will weil ich ich bin, auf den verzichtet mein mir unbekanntes Ich ab jetzt. Und zwar ohne Ausnahme, denn was mir klar vor Augen steht: ich habe eine etwaige Schuld an was auch immer schon lange abgetragen. Steht jetzt hier; und ist schön. Lässt mich lächeln. Und befreit. Mich von euch. Hier und jetzt.

Weil´s raus sollte, danach.....12

Mein Weinkeller. Das war ein wirklich ganz aussergewöhnlicher Platz in Weiden am See. Blick über den ganzen Neusiedler See, kein Strom, kein Irgendwas, einfach ein Weinkeller. Mit einer kleinen Sitzmöglichkeit am Dach. Hat meinem Vater gehört. Mein Bruder und ich haben immer mitgearbeitet, wenn´s was zu tun gab. Und haben den Platz genossen. Dann hat ihn mir mein Vater geschenkt. Weil er sowieso schon alles in Neusiedl verkauft hatte (so wie „das wird mal alles euch gehören - Haus“). Und auch nicht mehr hingefahren ist. Hat mich eines Tages gefragt ob ich den Weinkeller haben will. Ja, ja, ja, ja... Schlüsselübergabe (feierlich) und natürlich noch alles nach Wien führen, was so drin war. Das war mir sehr recht, denn so konnte ich drinnen nach eigenen Gedanken meinen Platz gestalten. Oder besser gesagt, hätte können. Denn nach nicht einmal einem Jahr hat mir ein örtlicher Bauer erzählt, dass der Weinkeller einen neuen Besitzer hat. Mein Vater hat ihn verkauft gehabt. Weil ich den Rasen auf dem Keller nicht so gemäht hatte, wie er sich das vorgestellt hätte. Ich hab´s damals einer guten Freundin versprochen, weil der "Winzerkönig" in meinem Keller gedreht wurde und dementsprechend nichts verändert werden sollte, bis der Dreh beendet war. Aber es war in meinem Zusammenleben mit meinem Vater schon immer so, dass er gewusst hat, wie der Planet auszusehen hat. Ganz egal was um ihn herum geschieht. Und wer das nicht versteht wird - domestiziert. Hat er mit dem Weinkeller zum letzten Mal bei mir versucht. Und - es ist ihm wieder nicht gelungen :-). Was soll´s, Besitz belastet und der von meinem Alten an mich übergebenen eigentlich doppelt. Ist vielleicht besser so. Ausser, dass ich mir jetzt einen anderen Platz suchen muss um mir darüber klar zu werden wer ich eigentlich bin. Mich mit mir bekanntzumachen, vielleicht sogar mit mir anzufreunden.

Weil´s raus sollte, danach.....11

Das Ergebnis eines Schlüsselgesprächs mit meiner Psychologin ist der absolute Hammer: Ich stelle für mich selbst überhaupt keinen Wert dar. Will heissen, ich kann mich selbst als Wert überhaupt nicht definieren. Und wie es aussieht, habe ich als Wert für mich bisher noch nie existiert. Der Wert meines Tuns und Schaffens sehr wohl, aber der Wert meines Seins existiert für mich nicht. Das ist ein ungewöhnlich tiefes Loch. Und eine radikale Lebensveränderung, wobei ich nicht weiss, wohin, was oder überhaupt....
Jetzt ist alles irgendwie neu, komisch, unerforscht. Irgendwie herrscht zur Zeit eine gewaltige Leere in mir, weil ich überhaupt nicht weis was ich anfangen soll, wo ich anfangen soll. Ich muss mich selbst mal kennenlernen um mich dann zu definieren. Keine Ahnung wohin das führt. Ein ruhiger Platz wäre jetzt wirklich was wunderbares. Ich hab mal kurz einen gehabt. Aber der ist wieder weg. Mein Weinkeller......

Weil´s raus sollte, danach.....10

Und dann ist sie ganz plötzlich wieder da. Von einer Sekunde zur anderen. Diese immens mächtige Traurigkeit. Und die ganz gewaltige Einsamkeit im Kopf, die sich partout nicht vertreiben lässt. Und der Wunsch mich irgendwo hineinzukuscheln und das alles einfach zu vergessen, sein zu lassen, was es sein will. – "Ich hab mir meine Welt verletzt, hab mich nicht davon in Kenntnis gesetzt, dass meine Liebe nicht von Dauer ist, ich bin für mich das letzte Biest." – Ist jetzt einfach so gekommen und ich denke, das könnte ein guter Refrain für ein Lied sein. Dazwischen die Strophen, gerappt.

Ich schau sie mir an, die meine Welt,
die mir im Moment gar nicht gefällt,
sie ist grau, kaputt und richtig alt,
beherrscht von einer ganz diffusen Gewalt,
die echt tief in mir drinnen steckt,
wieder mal ist mir mein Geist verreckt,
lässt´s nicht sein ganz bunt und schön,
lässt mich nicht hinaus und auf die Strasse gehen,
nimmt mir weg, was für mich Leben heisst,
mein Geist geht mir ganz schön auf den Geist.

Ich hab mir meine Welt verletzt, hab mich nicht davon in Kenntnis gesetzt, dass meine Liebe nicht von Dauer ist, ich bin für mich das letzte Biest.

Fuck it man, denk ich mir dann,
das kann doch nicht so weitergehn
ich muss es schaffen meinen Mann zu stehn,
und dann frag ich mich: eigentlich, für wen?
Für alle die mir heute wieder auf die Nerven gehen?
Doch es sind nicht die Andren, die mich bremsen,
es ist in mir, die Pest, das Wesen,
das mein Leben fast zu Tode würgt,
bla, bla, bla...

Ich hab mir meine Welt verletzt, hab mich nicht davon in Kenntnis gesetzt, dass meine Liebe nicht von Dauer ist, ich bin für mich das letzte Biest. –

Nicht gerade erfolgsversprechend, aber das ist mir gerade so rausgesprudelt, also muss es eben hier sein.....

Weil´s raus sollte, danach.....9

Hatte gerade einen Spaziergang auf der Gemeinschaftswiese gemacht und da hat mich eine Biene in den Fuss gestochen. Für mich ein kurzer durchdringender Schmerz, aber für die Biene der sichere Tot. Für das erste Mal im Leben, dass sie sich heftig verteidigt hat, hat sie ihr Leben ausgehaucht. Ich hab ja keine Ahnung ob sie das vorher gewusst hat, aber auf jeden Fall ist das alles andere als lustig. Mich allerdings führt es zu einer weiteren, sehr lustigen Geschichte. Von einer so richtig grauen Tante, rund um die fünfzig. Eine von denen, die sich ihr Leben lang nie trauen den Mund aufzumachen, sicher nie ein lautes Wort verlieren. Sich immer ducken und jegliche Schuld ganz automatisch bei sich selbst suchen. Von ihr ist hier die Rede, und von ihrer Nachbarin. Marke „ich bin die Hüterin dessen was sich gehört und das sage ich immer laut, jedem der es hören will oder auch nicht“. Auf die penetrant unangenehme Art wie wir sie von den verkappten Ordnungshütern kennen. Jenen die unter einem diktatorischen Regime sofort stramm stehen und ihre besten Freunde denunzieren würden, weil es nun mal ihre gottverdammte Bürgerpflicht ist. - Nun, die beiden leben Haus an Haus in einer Siedlung. Vorgarten, Haus, Garten, alles brav eingezäunt, wie es sich gehört. "Frau Pflichtbewusst" geht unserer grauen Maus fast täglich ganz fest auf die Nerven. Das Rad des Enkelkindes im Vorgarten, die nicht akkurat geschnittene Hecke, das am Sonntag nicht gewaschene Auto, dass „man sich ja richtig genieren muss“ und allerlei mehr. Tag aus Tag ein die gleiche nervtötende Leier. Und natürlich macht sie auch bei jeder Gelegenheit Stimmung gegen unsere graue Maus. Weil so was ganz einfach nicht in diese gepflegte Siedlung gehört, weil das ja den guten Ruf zerstört, weil das eben so einfach jetzt wirklich nicht mehr weitergeht. Und unserere graue Maus erträgt das Jahr aus Jahr ein. Immer wieder auf´s Neue innerlich verletzt. Aber sagen tut sie nichts. Weil sie sich nicht traut. Weil sie es nie gelernt hat. Weil sie es eben wirklich nicht kann, nicht über´s Herz bringt. Eines Tages geht sie bei einem Geschäft vorbei und entdeckt in der Auslage einen doch eher sehr grossen Gartenzwerg mit heruntergelassner Hose. Und genau der steht seit damals auf der Begrenzungssäule ihres Grundstücks und streckt der Nachbarin seinen nackten Arsch entgegen. Seitdem bekommt der Gartenzwerg, immer wenn die Nachbarin keift, einfach einen netten Streichler über den blanken Hintern. Und alles ist gut. - Und ich denke mir: Das Leben kann in seiner einfachheit so schön sein..... :-)

Weil´s raus sollte, danach.....8

Irgendwann wurde ich zum gottbegnadeten Schweiger. Falls es Gott gibt. Die anderen sagen ja, ich für meinen Teil bezweifle das doch eher. Tut aber nichts zur Sache. Auf jeden Fall führt mein „freundliches Schweigen“ dazu, dass mir fremde Menschen die eigenartigsten Geschichten erzählen, ganz egal ob ich das hören will oder nicht. Wie die Fünfundsechzigjährige (65!), die das Folgende, wirklich Schräge, für mich auf Lager hatte: -> Vor gar nicht langer Zeit hatte sie mal wieder Lust die Stadt unsicher zu machen. In einem Lokal hat sie eine Gruppe junger Männer kennengelernt, die sie zu einer zu einer Tour durch mehrere Bars mitgenommen haben. Viel Spass und noch viel mehr Alkohol kennzeichneten die Nacht. Zum Abschluss ging es noch gemeinsam in eine Stripteasebar und da endet dann irgenwann ihre Erinnerung. Erwacht ist sie am nächsten Tag in einer ihr unbekannten Wohnung, splitternackt unter einer Decke. Am Tisch neben ihr eine geschlossene Flasche Champagner und ein Glas. Nachdem ihr die ganze Situation nicht ganz geheuer war, hat sie sich hastig angezogen, die Flasche Schampus unter den Arm geklemmt und den Heimweg angetreten. Zuhause angekommen greift sie in die Hosentasche um den Wohnungsschlüssel herauszunehmen, findet sie drei säuberlich zusammengefaltete fünfhundert Euro Noten. Sie hat sich dann einer genussvollen Dusche hingegeben, die Flasche Champagner geöffnet, ein Gläschen mit einem breiten Lächeln geschlürft und war mit sich und der Welt sehr zufrieden. Das Leben hat zu jeder Zeit seine schönen Seiten; so ihre abschliessenden Worte, mit denen sie mich dann wieder allein gelassen hat. Ich liebe diese Geschichte... :-)

Weil´s raus sollte, danach.... 7

Es sind widerliche menschenverachtende, andere herabsetzende Gestalten, die meinem Planeten das bunt verschmutzt haben. Und den Rest, den ganzen Rest hab ich dann selbst erledigt. Oder nicht ganz. Da hab ich schon ein wenig Hilfe gehabt. Erfolgreich wurde mir der Sinn des Lebens in seiner vollen Pracht und Blüte eingebläut. Oder eigentlich besser: ausgebläut. Erinnerungen, die immer wieder mal auftauchen. Sind schon sehr verblasst, zum Teil verschwunden. Aber so das fett Unterstrichene, das ist schon noch präsent. Die Striemen, die das Sitzen zur Qual machen. Haut die aufplatzt, Blut das über den Rücken rinnt. Und der Versuch es ohne Tränen zu überstehen, ohne Schreien zu überstehen, zu gewinnen, gegen das, was da geschieht. Hab ich aber nie geschafft. Ist mir, soweit ich mich erinnern kann und überhaupt noch will, nie gelungen. Ist aber in Kombination mit einprägsamen Merksätzen schon wieder fast zum Comic mutiert; "Wenn Du nichts mehr hast, kannst Du Dich immer noch auf Deine Familie verlassen. Die Familie ist das Einzige, was Dir immer bleiben wird.“ Dass ich mich am Heimweg von der Schule schon kräftig anspeibe vor Angst, vor dem was mich zuhause erwartet, gehört dazu, zum erquickenden Familienglück. Weil die Schulnote nicht dem Niveau des Hauses entspricht, in dem ich Glücklicher aufwachsen darf. Weil ich die Schule geschwänzt habe. Weil ich mein Federpinal verloren habe. Weil ich seit Wochen keinen Bock mehr darauf habe in den Turnverein zu gehen. Weil ich meine Schultasche liegen gelassen habe. Weil ich, was weis ich getan habe; Gründe hat es wirklich genug gegeben mich „wie einen Tanzbären abzudreschen“, damit ich mir endlich mal merke was so Sache ist. Denn „ich werde Dir schon noch beweisen, wer von uns beiden der Stärkere ist“. Und ich muss jetzt gestehen; es hat wirklich was gebracht. Und wie! Es hat mich zum Lügner gemacht, zum ausgezeichneten Lügner, zum exzellenten Lügner, zum exzeptionellen Lügener geradezu. Vielleicht hat es sogar meine Phantasie geschärft, weil ich mir permanent Lügen einfallen hab lassen. Wer weiss? Und der wirklich grandiose Lügner wäre ich sicher bis heute geblieben. Hätte sich nicht irgendwann, ganz plötzlich, eines Tages mein Planet bei mir vorgestellt. Schön, bunt, lustig, zärtlich, sonnig (immer sonnig!), voller fröhlicher Geschichten, genussvoll, leidenschaftlich schräg, umwerfend komisch, mein lange vermisster Platz im Universum einfach. Plötzlich war er in meinem Kopf und lange auch in meiner Realität. Bis er begonnen hat langsam grau zu werden. Wie Seifenblasen sind sie zerplatzt, die bunten Bilder, die mich begleitet haben. Eines nach dem anderen. Wurden ersetzt durch Stille, Schweigen und Nichts. Ein Angst machendes Nichts, das ich einfach nicht betreten wollte, aber auch nicht verlassen konnte. Hat mich nicht mehr freigegeben und ich selbst mich auch nicht. Deshalb bin ich jetz da wo ich eben bin. Um mir meinen Planeten zurückzuholen. Den eurigen könnt ihr behalten, da geh ich drauf spazieren, weil´s anders ja nicht möglich ist. Aber den meinen; auf dem lebe ich. Und zu Gast ist nur, wer mir gerade bunt genug erscheint. Jawohl, wenn ich hier rausmarschiere, dann bin ich wieder dort. Und ihr könnt mir glauben; ich hab mich noch nie in meinem Leben so auf etwas gefreut, wie auf meine Rückkehr. Wird noch dauern, aber glücklicher Weise: nicht zu lange.

Weil´s raus sollte, danach.... 6

Irgendwann hat mir begonnen vor dem Grossteil der Menschen zu grausen. Vor der ungustiösen, selbstgefälligen Art über andere zu urteilen, andere auszugrenzen, auszurichten, sie herabzusetzen. Ausländer, Obdachlose, Behinderte, Andersdenkende, Sozialschmarotzer, andere Hautfarbe, andere Gesellschaftsschicht, anderes Wasweissichauchnoch. Oder Künstler, als sanftes Beispiel: „Weißt Du, woher Kunst kommt? Kunst mir einen Euro schenken. Ha, ha, ha......“ Blödes Arschloch, das verklärt vor dem höchst naturalistischen Landschaftsbild steht. „Das ist Kunst. Aber der komische Farbkleks; als abstrakte Kunst bezeichnen die das? Da kann ich ja gleich in die nächste Volksschule gehen. Denen geb ich eine Spende für ein paar Blättern von der Erstklasslern. Die haben dann zumindest wirklich was davon.“ Neben ihm, die blasse, vom Leben mit ihm Gezeichnete, leicht gebückt in der Haltung, peinlich berührt lächelnd, verschämt nickend. „Na ich hab doch recht, Schatzi. Sag schon, das ist doch jetzt aber wirklich die Wahrheit, es muss doch noch erlaubt sein laut die Wahrheit zu sagen. Kunst mir nicht einen Euro schenken, ha, ha, ha....“ Leck mich doch am Arsch, du ignoranter Vollkoffer und vor allem; verpiss dich in der Sekunde von meinem Planeten!

Weil´s raus sollte, danach.... 5

Stattdessen fliegt laut knatternd ein Helikopter über uns hinweg. „Fliegen können muss was Schönes sein“ sagt ein dürres altes Männlein neben mir und grinst mich breit an. Wem sagst du das, mein Alter... Mein Paradiesvogel, auf den linken Unterschenkel tätoviert, schaut zu mir herauf: „Sei nicht so ätzen, du hast dir sowieso schon vor langer Zeit deinem eigenen Planeten geschaffen!“ Stimmt auch wieder; aber der ist leider ganz schön aus seiner Umlaufbahn geraten. Sonst wäre ich ja nicht hier. Im Psychozentrum. Die kennen zwar meinen Planeten nicht, aber zumindest können sie mir auf dem ihren helfen. Und das ist viel mehr, als ich die letzten Jahre für mich selbst tun konnte. Ein Zwischenstopp, ein Generalservice, oder sogar ein technisches Update, weil die Grundkonstruktion ab dem ersten Tag gewaltig versaut wurde, irgend so was halt. Was es genau werden wird, ergeben die Gespräche der nächsten Tage. Da wird das ausgegraben werden, was ich so tief eingebuddelt habe, dass ich es selbst nicht mehr finde und mich auch nicht erinnern kann, was es eigentlich ist. Aber danach, danach möchte ich wieder zurück auf den in meinem Kopf geschaffenen Platz. Denn es gefällt mir in meiner bunten Welt, in der alles so ist wie ich es erdacht habe, alles so sein darf wie es will, sich auch immer wieder verändern darf, weil es dann wieder ist, wie es gerade sein soll. Wie eine Seifenblubberblasenwelt, die sich in jeder Sekunde neu erfindet, weil sie nur da ihre buntgewaltige Schönheit in aller Pracht zeigen kann. Mir, demjenigen, der diesen Planeten bewohnt und sich seiner ist; zeitweise sogar mit Gästen. Ist aber im Moment auch weit weg, eben wie auch jener, auf dem sich die anderen zwangsläufig aufhalten. Zugedeckt mit Angst, und zwar einer, die eigentlich gar nicht da sein dürfte. Weil sie nämlich nicht ist. Aber dann leider doch. In mir.....

Weil´s raus sollte, danach.... 4

Es ist immer wieder erschreckend, wie wohl ich mich in einem Zimmer fühle. In meinem Zimmer, in einem Zentrum für psychisch erkrankte Menschen. Allein. Wie gut es tut die Welt nach draussen zu sperren. Ich kann nicht kommen, ich kann nicht gehen. Aber sein kann ich wirklich ausgezeichnet. Da, wo niemand ist, da ist mein Sein ein perfektes. Für mich.
Von der Stärke der Schwäche, lese ich beim Gottesraum, dem zum Schweigen. Das ist doch wirklich nur Scheisse! Ich bin hier, weil ich mir nicht im Geringsten vorstellen kann allein zur zehn Meter entfernten Tankstelle zu gehen um mir Zigaretten zu kaufen. Weil meine unsichtbaren Monster am Weg lauern, um mich sofort zurückzujagen. Die Stärke der Schwäche. Ich bin so stark schwach, dass ich mich dauernd übergebend mit Blutdruckwerten von 18/32 mit Blaulicht nach Kittsee ins spital gebracht wurde. Drei mal hintereinander! Und trotzdem, gerade jetzt, in diesem Moment, in meinem neuen Reich, mitten im psychosomatischen Zentrum, da ist er, der kleine Lebenslustgedanke:
Meine Lust auf eine gute Flasche Welschriesling, einem zart gebratenen Zander, frisch gefangen im Neusiedler See, mit einem Hauch Knoblauch und ein paar Zweigen frischem Thymians aus dem Garten gewürzt, steigt ins Unermessliche. Genossen an einem einsamen Platz, unter einem schattenspendenden Baum, an einem herrlichen Sonnentag. Wobei die Betonung auf den einsamen Platz liegt.

Weil´s raus sollte, danach..... 3

Vor dem Frühstück. Am Weg zum Speisesaal. Vorbei an der Kapelle, dem religiösen Ruheraum. Ob Gott eine Hilfe ist? Für jene, die an ihn glauben sicher. Ist allerdings eine Gruppe von Menschen, denen ich nicht angehöre. Also muss ich an was anderem arbeiten. Am Glauben an mich selbst. Damit ich mich selbst wieder finde. Bin ich dann mein eigener Gott? Im göttlichen Sinne eigentlich ja. Denn Gott ist in uns allen, also sind wir auch alle Gott. Wenn wir an uns selbst glauben. Schwierige Geschichte, aber auch wieder ganz einfach.

Weil´s raus sollte, danach...... 2

Irgendwie ist es still geworden. Zimmer, Bett, Tisch, Sessel, Blick durch die Jalausie raus auf den Baum. Und Vogelgezwitscher. Bin ganz schön aufgedonnert, auf den Boden, der, den ich nicht so richtig beschreiben kann. Umgeben von den esoterischen „Mein Engel wird mich schon beschützen“-Menschen und den Allessammlern, den Knochengestellen, den Monsterkugelkörperträgern, den Vielunddauerrednern, den Nichtssprechern, den Vergewaltigungs- und Missbrauchsopfern, den Selbstverstümmlern, denen mit den toten Augen, Dauerlachern, Dauerschweigern, allen Ausformungen der psychisch Gequälten, allen, die das Leben nicht mehr aushalten oder die das Leben nicht mehr aushält, sind hier um mich versammelt. Oder eigentlich nur versammelt. Denn um mich ist ein eigenartiges Nichts. Deshalb bin ich hier. Weil es sich, erst unmerklich, dann immer schneller bis zum kompletten Wegsein verzogen hat. Mein Ich. Begleitet von ein paar körperlichen Schmerzen, einer extremen Angst und einer quälend tiefen Traurigkeit. Und jetzt bin ich im Nichts, und das tut weh. Macht wütend, macht traurig und vor allem macht´s hilflos. Alles wollte ich in meinem Leben sein, nur eines nie, nie wieder: hilflos.

Weil´s raus sollte, danach.... 1

Angekommen. Vom Pfleger in Empfang genommen. Und über das Haus aufgeklärt. Entmündigt auf Zeit. Also zumindest, was meiner Einstellung gegenüber dem Leben entspricht. Hier bin ich, weil mich Menschheit begonnen hat zu nerven. Und dann langsam das Aussen im Allgemeinen. Und dann hab ich begonnen Angst zu haben. Die ist dann stärker geworden. Bis ich das Draussen nicht mehr ausgehalten hab. Da bin ich dann nur mehr drinnen gewesen. Auf der Couch. Einmeterachzig mal achzig Zentimeter. Bis auf die eher seltenen Momente, die ich dann hinaus musste, hinaus gezwungen wurde, weg vom einzigen Platz an dem ich sein konnte. Irgendwann hab ich das – oder hat mein Geist das – nicht mehr verkraftet. Hat dem Körper befohlen aufzugeben. Der ist dann zusammengebrochen, in Ohnmacht gefallen und musste im Spital wieder auf Funktion gebracht werden. Kein Vergnügen, vor allem für meine Umwelt. Ich hab´s gar nicht so schlecht gefunden, das Wegkippen, nichts mehr fühlen müssen, Leben weggeben. Aber sie haben mich immer wieder zurückgeholt. Und von Kopf bis Fuss untersucht. Nichts, einfach gar nichts war zu finden. Also muss in der Psyche umgerührt werden. Denn scheinbar hat mein Geist dem Körper angeraten, das Leben nicht mehr weiterzuführen. Weil ich zu tief im Nichts versunken bin, als dass es noch lebenswert gewesen wäre. Psychischer Selbstmordversuch, sozusagen. Weil ich sowieso seit langem nicht mehr richtig gelebt habe. Eher dahinvegetiert, so eine Art geistiges Wachkoma mit schlechter Körperfunktion, nach aussen aber nicht echt sichtbar. Deshalb bin ich hier. Psychosomatisches Zentrum. Hergebracht von meinem Bruder. Und jetzt eben; angekommen. Der Pfleger spricht irgendwie langsam und deutlich, damit ich auch sicher alles verstehe. Ich lächle freundlich und beschliesse die Empfangsarie mit einem höflichen Danke schön. Denn ich bin hier, um mir mein Leben zurückzuholen. Das mit dem vielen Spass, dem Sex, der Lust, der Freude, der Leidenschaft, der Kreativität. Daran will ich hier arbeitenund hoffe, dass ich das aus meinem Kopf hinauswürgen kann, was mich erwürgt.....