Bevor ich ins psychosomatische Zentrum gekommen bin, hatte ich die Idee in Zukunft von Schreiben und Kochen zu leben. Mit fremden Menschen kochen, kosten, erfahren, sitzen, essen, gehen, schreiben. Also wenn´s irgendwer verkauft und mir genug daraus macht, dass ich das Leben finanzieren kann. Das war die Idee. Auf meinem bunten Planeten dahinzuschreiten und einfach sein zu dürfen. Jetzt weis ich nicht, ob das noch Gültigkeit hat. Aber es ist noch immer eine geile Idee!
Ich hab das Fenster offen stehen, die Jalausie ist hochgezogen und ich lasse einen kleinen Teil der Welt da draussen herein. Und das auf Dauer. Mag für andere unglaublich sein; für mich ist das ein grosser Schritt. Wer will, darf reinschauen, mich besehen. Mit den Blicken verfolgen. Beobachten. An meinem Jetztplatz. Und das stört mich nicht. Ich bin verwundert. Nicht froh, nicht frei, ziehe keinerlei Erkenntnis daraus, bin nicht glücklich darüber. Aber immerhin verwundert. Und das tut auch schon gut. Einatmen, ausatmen und gut tun fühlen. Fühlt sich gut an. So gut, dass ich Weinen könnte. Wenn ich könnte.
Mag sie hören. Mag sie spüren. Mag mich an sie kuscheln, Löffelstellung, sie vor mir, nackt, angenehm, warm, Körper an Körper. Sie halten, die Augen schliessen und ganz lange so liegen. Bis sie fühlt, dass ich sie liebe. Nur so, ganz einfach jetzt. Weil ich sie liebe. Schon seit sehr langer Zeit. Und weil sie mir abgeht. Ein schöner Gedanke, den ich jetzt mal eine zeitlang halte, mir nicht nehmen lasse.
Zitat aus meiner Kindheit: "Du wirst einer Frau nie was bieten können, wenn du so weitermachst. Keine anständige (was soll das eigentlich bedeuten, gibt´s auch unanständige?) Frau wird sich je mit Dir einlassen. Oder auch: Am Besten suchst Du Dir eine reiche Frau, denn aus eigener Kraft wirst Du Dich leider nie erhalten können. Es tut uns leid, dass Du nicht so gescheit bist wie Dein Bruder. Da kann man halt nichts machen. Aber du bist ganz geschickt. Lern halt ein Handwerk; davon kann man auch ganz gut leben. Ist ein Pech, aber es ist leider nicht jeder zum Denken geboren." Und dann gab´s da noch die Vorstellung, wenn die ach so lustigen Bekannten zu Besuch waren. Ich darf vorstellen: "Das sind meine Missratenen" (und mein Bruder und ich durften blöd dazu grinsen). Keine Ahnung was sie damit sagen wollten. Vielleicht, dass sie die einzige Form des beachtenswerten Lebens vertreten. Dass Leben nur im Sonnenschein von Macht, Geld, Autos, Häusern und zur Schau gestelltem Erfolg das Richtige ist. Und alles andere eine niedrige Lebensform darstellt, verachtenswert, aber man muss halt damit umgehen können? Eine gepflegte Hülle zeigen, damit das was wirklich dahinter steht nicht ans Tageslicht kommt. Es hat verdammt lange knapp 50 Jahre gedauert, bis ich es mir und auch dem Rest der Welt lautstark eingestehen kann: da scheiss ich einen riesen Krapfen drauf! Ich weis zwar nicht wer ich bin, aber wer mich nicht sein will weil ich ich bin, auf den verzichtet mein mir unbekanntes Ich ab jetzt. Und zwar ohne Ausnahme, denn was mir klar vor Augen steht: ich habe eine etwaige Schuld an was auch immer schon lange abgetragen. Steht jetzt hier; und ist schön. Lässt mich lächeln. Und befreit. Mich von euch. Hier und jetzt.
29.10.2010
Weil´s raus sollte, danach.....13
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